Bericht vom  29.08.2005

Viel Wetterglück ermöglichte einen spannenden alpinen Dreikampf:
Der 'Grazi-Man 2005'

Über Wochen hinweg nur schlechtes Wetter – dies ließ eigentlich nichts Gutes für den diesjährigen 'Grazi-Man’ erahnen! Doch es kam anders …

Jährlich im August veranstalten der Gleitschirmclub Albatros und Riap Sport Bad Reichenhall den alpinen Dreikampf 'Grazi-Man’ (benannt nach dem Hüttenwirt der Zwiesel Alm, Pangraz Potschacher), einen Staffelwettbewerb bestehend aus den Disziplinen Mountainbike, Berglauf und Gleitschirmfliegen. Der diesjährige Termin wurde auf Samstag, den 27.08. gelegt - und siehe da, obwohl man sich an den diesjährigen Sommer als einen der regenreichsten der letzten Jahre erinnern wird, hatte doch das Wetter ein Einsehen, es herrschte während des eigentlichen Wettkampfs strahlender Sonnenschein. Insgesamt 123 Bergsportler hatten sich angemeldet, entweder als Mannschaft bestehend aus je einem Athleten pro Disziplin, oder als Einzelstarter, welcher alle drei Kategorien alleine hintereinander absolviert.

Los ging’s um 11:00 Uhr in Karlstein/Bad Reichenhall am Offiziersheim von hier aus wurden die Mountainbiker zur Höllenbachalm geschickt. Wie im Vorjahr konnte Andreas Ortner (Radsport-Profi aus Anger, der vor allem bei der diesjährigen Österreichrundfahrt mit tollen Leistungen glänzte) vom Team SC Anger die 7 km lange Strecke (400 Höhenmeter) alsschnellster hinter sich bringen, in einer Fahrzeit, die nur wenige Sekunden über dem von ihm gehaltenen Streckenrekord liegt (20:32 min.). Wie die Jahre zuvor reihten sich dahinter mit jeweils etwa einer halben Minute Abstand Thomas Brengartner und Roman Angerer ein.
Die ersten Ankommenden in der Damenwertung waren die beiden Koch-Zwillinge Maria und Steffi (27:28 min. bzw. 27:51 min.).

 

Bei den Bergläufern, sie hatten nach dem 'fliegenden Wechsel’ auf der Höllenbachalm etwa 500 Höhenmeter bis zur Zwieselalm zurückzulegen , setzte sich wie im Vorjahr das österreichische Nationalkadermitglied Alfred Mandl (Team 'Leingruber Personal’) mit einer Zeit von 30:00 min. durch. Beim Wechsel lediglich als 7. gestartet, konnte er gegenüber dem Berglauf-Zweitplazierten Daniel Pickl von der führenden Mannschaft SC Anger, lediglich 13 Sekunden gutmachen. Pickl, schon viermaliger Sieger beim Grazi-Man in verschiedenen Mannschaftszusammensetzungen, hat sich mittlerweile den Bahnlaufbewerben verschrieben und nimmt eigentlich an keinen Berglaufveranstaltungen mehr teil. Dennoch konnte er dieses Jahr noch einmal von seinem Freund und radelnden Mannschaftskollegen Andreas Ortner zum Start überredet werden. Die einzigen Bergläufer die noch in den Zeitbereich von Mandl/Pickl vorstoßen konnten (mit jeweils weniger als 1 min. Abstand zu den führenden), waren Florian Brettl und der dritte der bayerischen Berglaufmeisterschaften Martin Echtler.
Den Grundstein für den letztendlichen Sieg bei den Damenteams setzte mit einer überragenden Laufzeit von 37:32 min. Angela Nöhrig vom Team 'Grenzenlos Reisen’. Bemerkenswert: Franziska Spitzer, 12 Jahre jung, vom Team 'Die jungen Wilden’ brachte die anspruchsvolle Berglaufstrecke in nur 44:47 min. hinter sich!

 

Nach dem Berglauf-Abschnitt waren nun die Paraglider an der Reihe. Die diesjährigen Wetterverhältnisse ließen es zu, dass ohne Unterbrechung, also ebenfalls in einem fliegenden Wechsel der 'Staffelstab’ an den Gleitschirmpiloten übergeben wurde. Nach dem Start von der steilen Wiese unterhalb des Kaiser-Wilhelms–Hauses ging es in Minimalzeit auf direktem Weg Richtung Tal (900 Höhenmeter). Im Anschluß an die Landung am Bolzplatz/Karlstein hatte dann der Pilot vor dem Ziel noch eine kurze Laufstrecke zurückzulegen, die sich umso weiter verkürzte, je mehr Landepunkte erreicht wurden, d.h. je näher der Aufsetzpunkt zu einem markierten Landefeld lag. Dieser 'integrierte Ziellandewettbewerb’ war besonders interessant für die zahlreich erschienenen Zuschauer, da innerhalb einer Stunde knapp 50 Gleitschirmpiloten einlandeten.
Als Erster ins Rennen wurde Tobias Schreiner (seines Zeichens Zweiter im diesjährigen deutschen Streckenflugpokal der Gleitschirmflieger) geschickt, der trotz Sturz beim Start die Führung bis ins Ziel nicht mehr abgab und so seinem Team SC Anger den Gesamtsieg sicherte. Der Gleitschirmprofi Christian Amon holte zwar mit der besten Flugzeit und einer Punktlandung noch eine knappe Minute auf, er konnte aber noch lediglich Rolf Wagner (diesjähriger Juniorsieger im deutschen Streckenflugpokal) abgefangen, der hinter Amon und vor Schreiner die zweitbeste Flugzeit für sich verbuchen konnte.

Somit lautet das Endergebnis beim Grazi-Man 2005 in der Mannschaftswertung der Herrenteams:
1. SC Anger (Ortner/Pickl/Schreiner)
2. Leingruber Personal (Schwaiger/Mandl/Amon)
3. Burger Kings (Angerer/Brettl/Wagner)
In der Damenwertung flog Ursula Pötsch den Sieg für ihre Mannschaft 'Grenzenlos Reisen’ ungefährdet nach Hause.
Bei den Einzelstartern, also den Teilnehmern, die nicht als Mannschaft zum Wettkampf antraten, sondern die drei Disziplinen im 'Alleingang’ bestritten, holte sich (wie schon 2003 und 2004) Wolfgang Nöhrig aus Marzoll den ersten Platz vor Markus Stumpf und Pele Fassbender (dem 'Dauerzweiten’ der letzten Jahre). Besonders erwähnenswert: Nöhrig hätte, falls bei den Teams gewertet, selbst dort den 13. Platz unter insgesamt 38 Mannschaften belegt - dies unterstreicht seine herausragende Leistung ebenso, wie die Tatsache, dass er im Endklassement einen Vorsprung von über 4 min. auf den Zweitplatzierten der Einzelstarter vorweisen konnte.

Sieger W.Nöhrig und die Teams 'Grenzenlos Reisen’ und 'SC Anger’
   

Zur Siegerehrung am Nachmittag konnte der Organisator Martin Dufter von Riap-Sport und der Vorstand des Gleitschirmclubs Albatros Klaus Wallner ein mehr als positives Resumee ziehen:
„Die Teilnahme von vielen prominenten Sportlern belegt den hohen Stellenwert, den der Wettbewerb im Alpinsportbereich einnimmt. Dabei geht der Bekanntheitsgrad nun schon weit über den regionalen Charakter hinaus - viele Wettbewerber haben eine Anreise von mehreren hundert Kilometern in Kauf genommen.“ Besonders erwähnt wurde hier die Einzelstarterin Monika Ebner, welche aus dem derzeitigen Hochwassergebiet in Vorarlberg angereist war.
Wichtiger aber noch, als die sportlichen Höhepunkte, die beim Grazi-Man 2005 gezeigt wurden, muß bewertet werden, dass der Wettbewerb reibungslos und vor allem unfallfrei über die Bühne ging. „Möglich wird dies nur durch die Unterstützung der vielen freiwilligen Helfer (Feuerwehr, Bergwacht, …) und der perfekt aufgestellten Organisationsmannschaft!“
In diesem Zusammenhang dankten die Veranstalter auch vor allem dem Gastroteam (Hockey Jugend Förder e.V. Bad Reichenhall), das die vielen erschienenen Zuschauer kulinarisch erstklassig versorgte.

Mit der Siegerehrung wurde die Veranstaltung aber noch lange nicht beendet, die letzten Besucher saßen bis spät in den Abend in und vor den Bewirtungszelten! Und so wird es bestimmt auch im nächsten August wieder eine Neuauflage geben, den Grazi-Man 2006 …

Am Rande bemerkt …

  • Die Mannschaft der 'Kagleders’ mit Vater und zwei Söhnen am Start war zusammen genau 153 Jahre alt.
  • 'Die jungen Wilden’ (Eder/Spitzer/Frieß) brachten es dagegen gerade ’mal auf insgesamt 44 Jahre.
  • Jüngste Teilnehmer am Grazi-Man2005 waren mit jeweils 12 Jahren Franziska Spitzer und Katharina Baumgartner. Katharina sprang dabei für ihre erkrankte Mutter ein, die als Mountainbikerin gemeldet war, und ermöglichte ihrem Team 'Giftspritzen’ damit den Start.
  • Nicht nur der Einsatz der Athleten für den Grazi-Man war dieses Jahr sehr hoch, ein Kirschbaum musste zwei Tage vor dem Wettkampf dafür sogar sein Leben lassen: der diesjährige Pokal wurde aus seinem Holz gedrechselt ; die Henkel des Pokals bestehen aus einem Hirschgeweih).
  • Karl Dressler, der am Wettbewerb als Mountainbiker teilnahm, hatte einige Tage vor dem Grazi-Man geheiratet, hatte dieses besondere Ereignis aber offensichtlich vor seinen Freunden und Mitstreitern geheim gehalten. Scheinbar hatten einige Bekannte aber doch davon 'Wind bekommen’, so dass sich einer davon bei der Siegerehrung das Mikrophon schnappte, die Geschichte vor versammeltem Publikum ausbreitete und das Brautpaar lautstark hochleben ließ. Karl hatte mit einem Schlag nun also etwa 300 'Mitwisser’ seines Geheimnisses - hoffentlich war’s ihm recht …
  • Die Brauerei Wieninger veranstaltete im Rahmenprogramm einen kleinen Wettbewerb. Dabei schaffte es die Vorstandschaft des Gleitschirmclubs Albatros 22 (leere) Bierkisten ohne weitere Hilfsmittel übereinander zu stapeln. Die Brauerei wird diese 22 Kisten mit Bierflaschen auffüllen und diese dem Club als Freibier sponsern.
  • Das Team 'Die schweren Jungs’ (Eder/Wolf/Wallner) mit einem 'Gesamtlebendgewicht’ von über 300 kg war in den letzten Jahren sozusagen Fixstarter beim Grazi-Man. Dieses Jahr wollten die drei gewichtigen Sportler eigentlich ihre 'Abschiedsvorstellung’ geben. Wie man nach der Siegerehrung allerdings hören konnte wird diese Entscheidung 2006 nochmals stark überdacht …
  • Das Team des Hauptsponsors hatte sich entsprechend dem Werbeslogan den Namen gegeben 'Volksbank Raiffeisenbank – macht uns den Weg frei’. Mag sein, dass die Mannschaft mit dem Namen auf die beschwerliche Wettbewerbsaufgabe und die Zweifel, diese zu bestehen, hinweisen wollte. Jedenfalls kämpften sich auch diese drei Sportler 'den Weg ins Ziel frei’ und kamen dort als Schlusslicht an. Unbeeinflußt davon will das Team am nächsten Grazi-Man aber wieder teilnehmen und eben dies entspricht dem Geist des Wettbewerbes, denn 'der Weg ist das Ziel’ und 'dabei sein ist alles’!

(Bericht: Hans Weber / Fotos: Hubert Metzler)

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