Pressebericht vom  10.06.2005

Halbzeitbilanz im Reichenhaller Streckenflugpokal für Gleitschirmflieger

Seit mehreren Jahren veranstaltet der Deutsche Hängegleiter-Verband den Online-Contest, einen Wettbewerb, bei dem es für Drachen- und Gleitschirmpiloten gilt, möglichst weite Flüge durchzuführen (wir berichteten in einer der letzten Ausgaben bereits über die aktuellen Erfolge der heimischen Gleitschirmflieger). Die Flugstrecke wird hierfür mittels GPS-Streckenaufzeichnung dokumentiert. Dabei führt jeder Pilot einen Satellitenempfänger mit sich, der die jeweilige Position feststellt und in regelmäßigen zeitlichen Abständen abspeichert. Nach der Landung kann der Flugspeicher dann auf einem PC ausgelesen und der Flugweg (=’Track’) graphisch auf einer topologischen Landkarte dargestellt werden. Der Track wird dann vom Piloten per Internet an den Veranstalter übermittelt, die erflogene Distanz berechnet und je nach der Kilometerzahl und der Schwierigkeit der Flugaufgabe Punkte vergeben. Pro Flugsaison werden für jeden Piloten die drei punktbesten Flüge gewertet und so eine deutschlandweite ständig aktualisierte Rangfolge erstellt. Am Ende der Saison (September) werden daraus dann die Sieger in mehreren Kategorien, je nach Fluggerät, ermittelt.
Die Reichenhaller Piloten Rüdiger Goltermann, Arno Herms, Stefan Mass, Peter Miess, Robert Staudacher und Hans Weber konnten in der laufenden Saison schon insgesamt 13 Flüge mit einer Streckenlänge von jeweils mehr als 100 km Länge verbuchen. Diese mannschaftliche Geschlossenheit wird denn auch aktuell mit dem 5. Platz in der nationalen Teamwertung belohnt. Für derart weite Flüge benötigen die Gleitschirmflieger allerdings Startberge, die gute Thermik bereits am frühen Vormittag und auch topologisch günstige Bedingungen (z.B. in Zusammenhang mit dem Windsystem) liefern. Viele Reichenhaller Leistungsträger weichen deshalb auf die nahegelegenen etablierten Streckenflugberge wie z.B. den Hochfelln am Chiemsee oder die Schmittenhöhe in Zell am See/Österreich aus.
Das Reichenhaller Tal hält für seine streckenflugbegeisterten Gleitschirmpiloten hingegen nur sehr selten wirklich gute Bedingungen parat. Um den Leistungsaspekt des Gleitschirmfliegens in Reichenhall dennoch voranzutreiben, hat der ortsansässige Gleitschirmclub Albatros bereits vor mehreren Jahren (basierend auf den Statuten des deutschen Online-Contests) den 'Reichenhaller Streckenflugpokal’ (= RSP) ins Leben gerufen. Hierbei gelangen pro Pilot und Saison die zwei punktbesten Flüge in die Wertung, welche auf einem dem Reichenhaller Talkessel angrenzenden Berg - Predigtstuhl, Staufen und Zwiesel - gestartet wurden (wie beim deutschen Online-Contest, so wird auch beim RSP die Rangliste ständig aktualisiert). Da die erflogenen Leistungen für jeden per Internet einsehbar sind und auch im allgemeiner gefassten deutschen Online-Contest aufscheinen, trägt der Reichenhaller Streckenflugpokal auch dazu bei, dass die Kurstadt über die lokalen Grenzen hinaus verstärkt mit sportlichen Aspekten in Zusammenhang gebracht wird (und wer weiß, vielleicht überlegt sich ja auch der ein oder andere norddeutsche Fliegerkollege seinen nächsten Urlaub am Fuß des Predigtstuhls zu verbringen). Kurzum also eine gute Idee, die es zu fördern gilt.

Mittlerweile ist nun die Halbzeit der fliegerischen Saison erreicht, was eine gute Gelegenheit darstellt, die bisherigen fliegerischen Leistungen Revue passieren zu lassen.
Den bislang punktbesten/weitesten Flug konnte Stefan Wiebel einreichen. Am 2.05.05 startete er vom Predigtstuhl. Nach einem erflogenen Höhengewinn von etwa 900 m nahm er den Gleitflug zum Staufen in Angriff, wo er fast mühelos Anschluß an die dort herrschende Thermik fand. Weiter zum Zwiesel und Gamsknogel konnte er sogar auf über 3000 m 'aufbauen’ – nur an äußerst guten Flugtagen ist eine solche Höhe im Reichenhaller Talkessel möglich. Damit war dann aber auch der 'Weg geebnet’ für den Rückflug zum Predigtstuhl. Dort angekommen konnte der Pilot sich dann nochmals auf über 3000 m 'schrauben’ und er nutzte diese Höhe, um mit 'Zwischenstation’ Grünstein den Jenner in Berchtesgaden anzufliegen. Auch dort ging’s in der Thermik wieder bergauf, so dass ein Abstecher zum Untersberg und schließlich der Rückflug zum Predigtstuhl möglich waren. Nach einer Flugdauer von 3h15min setzte er schließlich am offiziellen Landeplatz der Reichenhaller Albatrosse auf der Weitwiese/Karlstein auf und konnte eine geschlossene Aufgabe (= Start- und Landepunkt sind innerhalb eines Toleranzbereiches identisch – Fachausdruck: 'flaches Dreieck’) mit 59 km zur Wertung einreichen, wofür ihm 103 Punkte gutgeschrieben wurden (bei einem flachen Dreieck werden die geflogenen km mit dem Faktor 1,75 in Wertungspunkte umgerechnet).
Den bislang vordersten Platz im Albatros Streckenflugpokal kann Wiebel aber trotz des schönen Fluges nicht für sich verbuchen, er belegt derzeit Platz 2. Mit zwei etwas kürzeren Flügen, in Summe aber mit höherer Leistungskonstanz liegt momentan Helmut Metzler an erster Stelle. Auf den weiteren Plätzen reihen sich ein H. Weber, A. Herms, R. Hafenmayer, F. Widerer, G. Baumgartner, P. Miess, S. Mass, M. Schneider und G. Pötsch.
Die Punkteabstände sind aktuell noch relativ 'überschaubar’ und schon mit dem nächsten guten Flugtag kann das obige Klassement wieder völlig 'umgekrempelt’ werden - schließlich zieht man aktuell 'nur’ die Halbzeitbilanz …

© H. Weber

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