Es war einmal…   …Dolomiten 2007

Freitag, 12.Oktober
Der Wetterprognose für die Dolomiten folgend, war eine Schar flughungriger Albatrosse wieder einmal auf dem Weg in Fassa Tal. Die Jungen Wilden Lobbi und Patrick waren bereits am späten Freitagvormittag am Sellajoch, um die Lage zu peilen. Leider machte eine leichte (ca. 40 km/h) Nordströmung einen baldigen Flug unmöglich. Am späteren Nachmittag folgten im Kommandofahrzeug der Cheffahrer Tom, Franzl W., der Kommandant Arno, sowie Mich se´Wuffl. Bei Einbruch der Dunkelheit hatten wir das Basiscamp (Campitello) erreicht. Nach heftigem artikulieren (her mit dem Schönramer) seitens des Kommandanten, waren schließlich alle versorgt. Der erste Lagebericht von Lobbi und Patrick, über deren Flugerlebnis am späteren Nachmittag, lies nicht wirklich Freude aufkommen. Außerdem stand uns noch die Nacht im Basislager bevor. Mittlerweile hatte es nur mehr +1 Grad bei sternenklarem Himmel. So nutzten wir den Abend in der Pizzeria um die Glykoldepots zu füllen. (Rotwein=Glykol=Frostschutz=Nachtruhe)

Am Samstagmorgen war der Himmel tiefblau und wunderschön. Schon abends zuvor schien der Himmel „tiefblau“, wollte uns der Kommandant glauben machen. Die Eisschicht auf den Autos und den Campingstühlen war schneeweiß und sehr ungemütlich. Der Versuch, ein schnelles und warmes Frühstück (Kaffee) herzurichten, scheiterte an der Bofrostkälte unseres Lagerplatzes. Cappuccino gab es in der Cafeteria in Campitello ausreichend. Und schon waren alle auf dem Weg dorthin

Fewo-Peter und Tigerente-Stefan waren nun auch in Campitello eingetroffen. Da die Bahn auf den Col Rodella (2484m) nicht mehr in Betrieb war entschlossen wir uns das Sellajoch (2240m) zu erklimmen. Zwei Fahrzeuge mit Sack und Pack zum Sella Joch. Angie und Baschdei waren seit dem frühen Vormittag schon am Pass und warfen seit dem ein Auge auf die Windverhältnisse. Leider war auch hier wieder Nordwind, wenn auch nur mäßig.
Nach einem weiteren Cappucino im Albergo- Maria Flora (Sellajoch 2240m) hatten dann alle Betriebstemperatur. Aktion war angesagt. Wir gingen vom Rifigio Passo Sella (2183), etwas unterhalb des Sellajochs zu einem idealen Hang mit Blickrichtung zur Langkofelgruppe. Tags zuvor hatten Lobbi und Patrick diesen schon in Beschlag genommen.  Geschlagene drei Stunden waren wir damit beschäftigt den mäßigen Nordwind zum Schirmhandling, und was so dazu gehört, zu nutzen. Auf höchstem Niveau (2200m) vor Wahnsinnskulisse.
Beinahe hätten wir übersehen dass am Col dei Rossi (2425m) oberhalb von Canazei mittlerweile schon ein Dutzend Gleitschirme über dem Gipfel waren. So starteten wir doch noch einen superschönen Abendflug mit der ganzen Mannschaft. Sogar die Thermik stand bis Sonnenuntergang nicht still. Kein Hammertag aber ein außergewöhnlich schöner Tag mit den Albatrosslern.
Das Abendessen fand dann in der Pizzeria Campitello statt. Hier schlug der Wirt die Hände über dem Kopf zusammen, als er sah was auf Ihn zukommt. Am Vorabend hatte unser Kommandant bewirkt, die Sperrstunde von 22:00 Uhr auf 23:00 Uhr hinauszuschieben. Und nun sah er unsere ganze Truppe mit doppelt so vielen Leuten.
Gleich vorne weg. Die Sperrstunde wurde abermals verlängert und die letzten waren wir auch wieder. Aber diesmal verabschiedete uns der Wirt mit Grappa und einem lächeln für alle. Vor allem aber war unser Kommandant bis zum Ende der Session Herr der Lage. Und so kam es dass er, der als letzter gezahlt hat sogar noch was rausbekommen hat. Bis heute weis keiner genau ob der Kommandant oder der Wirt zuletzt die Rechenmaschine bedient hat. Im Biwakzelt der Gemeinde musste ich mir die Nacht wieder mit dem Kommandanten teilen. Diesmal bei -2 Grad. Wahrscheinlich hatte mein Schlafsack irgendwo ein Loch.  Es war nämlich saukalt. Dann träumte ich auch noch von einem Sägewerk in dem die die ganze Nacht die Holzsäge ratterte.

Dieser Traum lies mich bei Anbruch der Dämmerung die Flucht ergreifen. Frühstück war diesmal im Hotel, in dem Peter und Stefan genächtigt hatten. Warmer Cappucino, warme Croissants und Apfelstrudel, warmes Klo und beinahe Totenstille!!!. Wie im Paradies. Der Tag begann viel versprechend. Wir (10 Mann mit Frau) fuhren mit dem örtlichen Rodella-Taxi Landrover Extrem, mit Sack und Pack bis zum Rifugio des Alpes  (2389m) direkt am Col Rodella. (2484m). Hier waren noch der Knappei und die Nicki dazu gestoßen. Bis zum frühen Nachmittag lungerten alle auf der Terrasse des Rifugio umher. Der Knappei deutete das Ende der Inversion und der Baschdei konnte es kaum  erwarten bis es soweit war. Denn dann, so gab er um 13:00 Uhr zum Besten, startet er. Der Wind war nicht wirklich optimal. Aber schwacher Nord lies uns immer noch hoffen. Als dann kurz vor 14:00 Uhr an der Lokomotive die ersten nach „Süden“ starteten und auch noch bis zum Gipfel der Sella hochsoarten wurde es langsam unruhig. Plötzlich ging alles ganzs schnell. HEKTIK war angesagt. Die meisten entschieden sich zu starten. Die einen an der Lifttrasse nach Norden. Die anderen am Südwest-Start in Richtung Campitello. Schließlich auch ein paar direkt am Gipfel des Col Rodella (2448m) nach NordNordost. Die ersten konnten sich bereits über dem Gipfel halten. Nun ging es Schlag auf Schlag. Von Col Rodella zum Grohmanngrat (2401m) Ab hier ging es mit der nun stärker werdenden Thermik am Pfeiler der Grohmannspitze (3111m) hinauf bis über den Gipfel. Bei 3200m bis 3300m war dann Schluss. Reichlich Höhe um Plattkofel, Zahnkofel, Fünffinger Spitze und Langkofeleck zu umrunden. Der Blick nach Norden war schier unendlich.

Also doch noch ein lohnender Flug. Leider nicht für alle. Am Landeplatz stellt sich heraus dass ein paar Zeitgenossen 5 bis 10 Minuten früher gestartet waren. Den Gesichtern nach zu urteilen hatte dies wohl einen Abgleiter zur Folge. Allerdings konnten sich die Fliegerfreunde am Landeplatz den Bereich fürs Zusammenlegen des Schirms stressfrei aussuchen. So beschränkte sich später die Kommunikation mit dem Rest der Kollegen auf das nötigste. Z.B. „Auuh“, was einem Wehklagen gleichkam. Aber auch „Angrrrh“ oder „Gruummpfh“ war zu hören. Was dem Comic-Jargon nach so etwas Ähnliches wie Mist oder Schei.e, bedeutet.

Tom, Franz, Baschdei und Angie und ich beschlossen noch zu selben Stunde dem Mt. Baldo am Gardasee einen Besuch abzustatten. Knappei, Nicki, Peter, Stefan, Lobbi, Patrick und Arno traten die Heimreise an. Eine genaue Schilderung des folgenden Tages (Montag) am Gardasee währe eine Qual für Heimreisenden gewesen. So fasse ich die Highlights kurz zusammen.

Campingplatz Malcesine: 5 Sterne
Abendessen in der Speckstube: 5 Sterne
Mein Schlafplatz in Malcesine (74m) unter einem Olivenbaum bei 15,5 Grad +: 5 Sterne
Bahnfahrt am Montag auf den Mt. Baldo (1784m) fast leer: 5 Sterne
Startplatz am Mt. Baldo, Menschenleer: 5 Sterne.
Beim ersten Flug beanspruchte jeder von uns ca. 100m² zum aufbauen und starten. Der Landeplatz gehörte uns. Oder der Angie die mit einem Bestseller in der Hand „unseren Landeplatz“ bewachte. Nach der Landung hat sie uns dann wieder zur Bahn befördert. So oder ähnlich muss es wohl im Himmel sein. Danke Angie!!!
Ein Tag zum Könige zeugen. Leider hatte der Baschdei keine Zeit, musste mit uns fliegen. Vielleicht sollte der Baschdei doch noch den Tandemschein machen. Dann könnten die beiden ja in der Luft mal so nebenbei….
…so wurde die Heimreise von uns allen mit einem breiten Grinsen im Gesicht angetreten.

Ein Dank zum Schluss:
An Tom unseren Fahrer: Der hatte einfach die Ruhe weg
An FeWo-Peter und Tigerente: Danke dass Ihr mir am Sonntag eure Dusche geliehen hättet.
An den Kommandanten: Dass er nicht mit zum Gardasee gefahren ist. Habe diese Nacht selten gut geschlafen.
An Baschdei. Dass er die Angie überredet hat am Gardasee nicht zu fliegen.
An Angie: Dass du am Samstag unablässig die Kamera bedient hast.
Der Baschdei war glücklich.
An Lobbi und Patrick: Dass ihr am Freitag Winddummies gespielt habt.
An Knappei: Dass er mit seinen Thermikprognosen einige Flieger zu einem frühen Start bewegt hat.
An Franz W.: Dass er am Samstag auf der Fahrt zum Startplatz seine Wasserflasche zur Verfügung gestellt hat
An Nicki: Die uns allen gezeigt hat dass noch nix ging mit Fliegen, als sie gestartet ist.

W. Nöhrig

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